Eine erfahrene Pflegekraft fordert Schwellenrückbau

Eine erfahrene Pflegekraft fordert den Türschwellen-Schwellenrückbau von der Wirtschaftsministerin Dr. Hoffmeister-Kraut in zwei Pflegeimmobilinien. Eine der Pflegeimmobilien wurde vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg sogar laut der Badischen Zeitung mit 4, 4 Mio. zinslosem Darlehen aus dem Landeswohnraumförderungsprogramm bezuschusst. Weshalb? Diese 1 – 2 cm hohen Barrieren sind weder barrierefrei noch für ältere Menschen gebrauchstauglich. Eine erfahrene Pflegefachkraft erläutert der Wirtschaftsministerin Dr. Hoffmeister-Kraut die Problematik dieser Barrieren und Sturzgefahren aus Sicht der Profession Pflege:

 

Eine erfahrene Pflegefachkraft fordert TürschwellenrückbauSehr geehrte Frau Ministerin Dr. Hoffmeister-Kraut,

das Schreiben, das die Ministerialdirigentin Kristin Keßler am 04.10.17 an Frau Ulrike Jocham gesendet hat, erstaunt mich als erfahrene Pflegekraft eines Klinikums hier in BW sehr! Von Frau Ulrike Jocham habe ich erfahren, dass im neuen Betreuten Wohnen der AWO Freiburg-Weinburg an den Zugängen zu den Balkonen überall zwischen 1 – 2 cm hohe Türschwellen eingebaut wurden. Weshalb werden bis heute neue Seniorenwohnungen wie diese mit gefährlichen Türschwellen ausgestattet, obwohl Nullschwellen längst möglich sind? Warum fördert das Wirtschaftsministerium laut einem Bericht der Badischen Zeitung so etwas auch noch? Der Runderlass vom 16.12.14 schreibt doch Nullschwellen vor und erklärt bis zu 2 cm hohe Schwellen als unzulässig!

0,5 – 2 cm Schwellenhöhe funktioniert für ältere Menschen und für Menschen mit Behinderung überhaupt nicht. Das ist allein schon wegen der Sturzgefahr sehr gefährlich! Pflegekräfte sind doch verantwortlich und zuständig für das Wohl von den älteren Menschen, die sie pflegen. 0,5 – 2 cm hohe Türschwellen sind schlecht für die Senioren und schlecht für mich als Pflegekraft. Die älteren Menschen brauchen mehr Kraft um diese Barrieren zu überwinden und ich als Pflegekraft auch. Vor allem besteht die große Gefahr, dass ein Patient stürzt während ich ihm helfe. Dann bin ich schuld?! Und es kann passieren, dass dabei nicht nur der ältere Mensch sondern auch ich als Pflegekraft stürze! Bitte sorgen Sie dafür, dass diese Schwellen zurückgebaut werden. Derartige Gefahren haben im Neubau von Seniorenwohnungen wie der AWO in Freiburg-Weingarten nichts zu suchen.

Mit freundlichen Grüßen
Eleni Palamouti

 

Eine technisch überholte 2 cm hohe Türschwelle mit Blick von innen. © Ulrike Jocham, die Frau Nullschwelle

Bei derartig verbauten Türschwellen muss beim Rückbau nicht nur die komplette Tür inklusive Türrahmen erneuert, sondern die Fußbodenhöhen ausgeglichen werden. Die schon heute erkennbaren Rückbaukosten dieser Barrieren und Sturzgefahren mindern den Wert von Immobilien im Zeitalter von demografischer Krise und Inklusion beachtlich.

Fest verbaute Türschwellen an Außentüren können nur extrem kosten- und materialintensiv zurückgebaut werden. Sind diese insbesondere für ältere Menschen gebrauchsuntauglichen Türschwellen einmal eingebaut, mindern sie den Wert von Immobilien über Jahrzehnte hinweg. Die erfahrene Pflegefachkraft Eleni Palamouti erklärt die wichtige Sicht der Pflege auf die Sturzgefahren durch Türschwellen.

Doch auch technisch entstehen Nachteile durch den Einbau von Türschwellen und Türanschlagdichtungen. Im Neubau können Nullschwellen technisch systemsicher umgesetzt werden. Im Bestand entstehen bei Rückbauten je nach Einbausituation häufig technische Nachteile z.B. bei der Entwässerung. Deshalb ist der Einbau von Nullschwellen auch aus technischer Sicht bereits im Neubau extrem wichtig.

Immobilien sind keine kurzweiligen Verbrauchsgüter, die nach 1 – 2 Jahren weggeworfen werden. Sie legen die Rahmenbedingungen für die Pflege über Jahrzehnte fest.

 

Die bundesweit bedeutende Nullschwellen-Stellungnahme gilt bundesweit seit 2013 und der landeseigene Nullschwellen-Runderlass seit 2014. Weshalb macht das Wirtschaftsministerium diesen beiden verschärften Anforderungen nicht ausreichend bekannt? Die verbauten Außentürschwellen in mindestens zwei Objekten zeigen, dass Architekten und Handwerker nicht ausreichend über diese verschärften Anforderungen informiert wurden.

 

Auch der Medizinaldirektor Rainer Hesse hat bereits die Wirtschaftsministerin Dr. Hoffmeister-Kraut auf die Missstände durch verbaute Türschwellen in Pflegeimmobilien hingewiesen

 

 

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