Begriffsverständnis

Begriffsverständnis von Ulrike Jocham, der Frau Nullschwelle

Definition von Ergonomie

Die Ergonomie ist die Optimierung der Schnittstelle zwischen Mensch und Bauwerk bzw. zwischen Mensch und Assistenzsystem. (Definition von Ulrike Jocham). Genau an diesen zahlreichen Schnittstellen ist Schnittstellenkompetenz gefragt. Aufgrund mangelnder Schnittstellenkompetenz werden bis heute gefährliche und technisch nicht begründbare Außen-Türschwellen verbaut.

Eine Nullschwelle bei Drehflügel-Außentüren

ist eine Türdichtung ohne technisch simplen Türanschlag. Es gibt bereits seit 1996 schlagregendichte Magnet-Dichtungen, die im geschlossenen Türzustand von einem Gegenmagneten in Türflügel nach oben gezogen werden, oder seit 2016 schlagregendichte Absenk-Dichtungen, die beim Schließvorgang nach unten gedrückt werden. Alle technisch notwendigen Materialübergänge müssen so flach wie möglich sein (unter 4 – 5 mm), maximal angeschrägt und abgerundet. Auch „Negativ-Schwellen“, also Schlitze und Öffnungen nach unten, sind Barrieren und daher dringend zu vermeiden.

Barrierefreiheit

Barrierefrei ist grundsätzlich ein sehr positiver Begriff – frei von jeglichen Barrieren oder Hindernissen. Wer möchte schon leben in Räumen, in welchen er beständig Hindernisse überwinden muss oder unnötigen Gefahren ausgesetzt ist. Leider wird bis heute der Begriff Barrierefreiheit oft missbraucht oder falsch verstanden.

Barrierefrei nach DIN 18040?!

Die Norm für Barrierefreiheit hat einiges Positives bewirkt, aber auch große Nachteile. In der DIN 18040 Teil 1 für öffentlich zugängliche Gebäude und Teil 2 für das Wohnen fehlt eine ganz grundsätzliche Konsequenz: schwellenfreie Duschen und schwellenfreie Türen. Bei den Duschen erlauben beide Normenteile der DIN 18040 bis zu 2 cm hohe Schwellen – das ist im Neubau technisch längst nicht mehr notwendig! Bei den Türen hat der fragwürdig aufgeführte Sonderfall der bis zu 2 cm hohen Türschwellen zu einem fast flächendeckenden technisch überholten Regelfall der 1 –  2 cm hohen Türschwellen geführt. 1 – 2 cm hohe Schwellen, egal ob bei Duschen oder bei Türen sind jedoch nicht barrierefrei und auch nicht sturzpräventiv.

Bewegungsflächen

Beispielsweise Rollatoren, Rollstühle, Walker und Kinderwägen benötigen Bewegungsflächen. Wie bedeutend Bewegungsflächen sein können, habe ich bereits als 16-Jährige erlebt, als ich an Freizeiten für Menschen mit und ohne Behinderung mitwirkte. Freunde von mir, die einen Rollstuhl benutzten, mussten bei Diskobesuchen auf dem Boden robbend zur Toilette, weil in diesen keine Bewegungsflächen vorhanden waren. Bewegungsflächen sind insbesondere bei der Verwendung von Assistenzsystemen bzw. Hilfsmitteln unverzichtbar. Selbst Eltern mit Kinderwägen sind beim öffentlichen Toilettengang auf Bewegungsflächen in Toiletten angewiesen, wenn sie ihre Babys und Kleinkinder mit in die Toilette nehmen möchten. Auch in Bädern sind ausreichend Bewegungsflächen unverzichtbar, um diese mit Assistenzsystemen überhaupt nutzen zu können. Damit außerdem in Schlaf- und Wohnräumen ausreichend Bewegungsflächen vorhanden sind, gilt es diese beim barrierefreien bzw. universell designten Bauen im Vorfeld genau durchzuplanen.

Tipps zu platzsparenden und damit „bewegungsraumsparenden“ Wäscheständern gibt es hier!

 

Bewegungsräume

Neben den Bewegungsflächen werden dreidimensionale Bewegungsräume benötigt. Alle Durchgänge oder Türen z.B. sollten auch für Menschen mit Großwuchs gut nutzbar sein. Und bei Tischen und Waschbecken gilt es die Unterfahrbarkeit auch von Nutzern mit Rollstühlen zu gewährleisten.