Türen ohne Schwellen – Hindernisfrei und absolut dicht

Cover von der GLASWELT 2014 Ausgabe 7 mit einem Artikel von Ulrike Jocham, der Frau Nullschwelle: Absolut dichte Außentüren ohne störende Schwellen- Die Magnet-Doppeldichtung macht es möglich

Türen ohne Schwellen – Hindernisfrei und absolut dicht (Dieser Artikel von Ulrike Jocham ist in gekürzter Form in der Glaswelt 07/2014 erschienen.)

Aus zahlreichen Gesprächen mit Endnutzern wird deutlich, dass diese unbedingt schwellenfreie Außentüren haben möchten. Doch selbst wenn sie bereit sind mehr zu bezahlen, erfüllen viele Verarbeiter, Architekten und Bauträger ihren Kunden diesen Wunsch nicht. Die hier aufgeführten Beispiele zeigen, dass Außentüren mit der Magnet-Nullschwelle auch ohne gefährlichen 1 – 2 cm hohen Türanschlag technisch problemlos realisierbar sind.

Die Fenster- und Türenbranche steht vor einer neuen Herausforderung. Über 20 Millionen Bürger benötigen heute schon absolut schwellenfreie Außentüren, denn gerade kleine Türschwellen von bis zu zwei Zentimetern Höhe stellen für die aktuell laut Statistischem Bundesamt in Deutschland lebenden rund 17 Millionen Bürger über 65 Jahre, für die 3,5 Millionen Kleinkinder unter 6 Jahre und für 3,2 Millionen Menschen mit einer sogenannten Schwerbehinderung unter 65 Jahre eine Sturzgefahr dar. Vor allem die Experten der Gesundheits- und Sozialbranche fordern alle möglichen Maßnahmen zur Vermeidung von Stürzen zu ergreifen, denn die häufig folgenden gesundheitlichen Schäden und Kosten für einzelne, die Sozialkassen sowie die gesamte Volkswirtschaft können im Vorfeld schon vermieden werden. Gerade die kleinen Türschwellen können von immer mehr Menschen nicht überwunden werden. Für den erfahren Heilerziehungspfleger Bernd Pörtener ist eine schwellenfreie Gestaltung bedeutend: „Es liegt auf der Hand, dass Türen ohne Schwellen wichtig und besser sind, da muss man doch gar nicht darüber reden. Für viele, die z.B. einen Rollstuhl benutzen, kann auch eine Mauer in die Türe gebaut werden, die hat dann den gleichen Effekt wie zwei Zentimeter hohe Türschwellen, denn sie kommen nicht darüber.“

Die DIN 18040 und weitere gesetzliche Grundlagen fordern Schwellenfreiheit

Nach dem zuständigen Arbeitsausschuss für Barrierefreies Bauen im DIN (Deutsches Institut für Normung e.V.) ist nur ein niveaugleicher, schwellenloser Übergang auch bei Außentüren, der eine Schwellenhöhe von null Zentimetern Höhe vorweist, barrierefrei (siehe Fachzeitschrift behinderte menschen, 4/5/2013). Weiterhin schreibt das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) beim Thema Barrierefreiheit eine Nutzbarkeit für Menschen mit Behinderung „ohne besondere Erschwernis und ohne fremde Hilfe“ vor (BGG § 4). Und die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), die Deutschland bereits seit 5 Jahren umsetzen möchte, legt den Fokus nicht nur auf die Defizite einzelner, sondern verlangt ein nutzbares universelles Design für alle: „Produkte, Umfelder, Programme und Dienstleistungen sind so zu gestalten, dass sie von allen Menschen möglichst weitgehend ohne eine Anpassung oder ein spezielles Design genutzt werden können.“ (UN-BRK Artikel 2) Weiterhin fordert die UN-BRK Inklusion und eine gleichberechtigte Teilhabe für alle Menschen mit Behinderung. (Kurze Definition von Inklusion unter: http://www.aktion-mensch.de/inklusion/was-ist-inklusion.php). Aufgrund der UN-BRK gibt es ausschlaggebende fachliche Entwicklungen in der Sozial- und Pflegebranche, die veränderte räumliche Grundvoraussetzungen benötigen – Räume, die niemanden ausschließen oder unnötig benachteiligen (diskriminieren). Eine der wichtigsten Grundlagen für die Umsetzung der geforderten bauseitigen Inklusion ist die Schwellenfreiheit in öffentlichen Gebäuden (z.B. Kindertagesstätten, Schulen, Ausbildungs- und Arbeitsstätten, Ämtern, Kinos, Restaurants usw.) und im privaten Wohnungsbau. Befindet sich am Hauseingang eine rund 1 – 2 cm hohe Türschwelle, werden gleich beim Zugang zur Immobilie immer mehr Menschen mit Behinderung ausgeschlossen und sturzgefährdet. Nullschwellen hingegen ermöglichen die sichere Nutzbarkeit und Zugänglichkeit für alle Menschen.

Komfort für Handwerker

Damit alle Verarbeiter diese anstehenden Herausforderungen einfach und sicher umsetzen können, hat ALUMAT, der Spezialist für schwellenlose Türdichtungen, die Magnet-Doppeldichtung als komplett vorgefertigtes System entwickelt, das einen komfortablen Einbau ermöglicht. Die Abdichtungsleistung ist revolutionär, offizielle Prüfzeugnisse mit der Schlagregendichtheit der Klasse 9 A belegen, dass diese einzigartige Erfindung selbst bei Windstärke 11, bei der Bäume ausgerissen, Dächer abgedeckt und Autos aus der Spur geworfen werden, trotz Schwellenlosigkeit zuverlässig abdichtet. Auch die über 15-jährigen Langzeiterprobungen in der Baupraxis zeigen: Außentüren können ohne jegliche Schwelle technisch abgedichtet werden. Zahlreiche Handwerksunternehmen konnten mittlerweile Erfahrungen sammeln, die zum Bauen von schwellenlosen Türen ermutigen.

Schwellenfreie Außentüren in einer Kindertagesstätte

Der Tischlermeister Dietmar Hubein aus Gablenz hat vor vier Jahren in der Kindertagesstätte „Miniforscher“ des Studentenwerks Dresden bei einer Komplettsanierungsmaßnahme in zwölf Eingangs- und Terrassentüren mit Holzprofilen die Magnet-Doppeldichtung (MFAT 10) eingebaut. Zuvor konnte er bereits bei mehreren einzelnen Außentüren diese Nullschwellen-Lösung montieren. Die für die Umbaumaßnahme beauftragte Architektengemeinschaft Zimmermann aus Dresden stellte die Bedürfnisse der Kinder in den Mittelpunkt und plante für alle Nutzer der Kindertagesstätte mit der Magnet-Nullschwelle einen absolut stolper- und hindernisfreien Übergang bei allen Außentüren ein, beispielsweise vom inneren zum äußeren Spielbereich. Diese naheliegende Kundenorientierung wird in der Architektur leider noch sehr selten beachtet, was am bisher überwiegenden Standard der gebauten Türschwellen zwischen rund zwei und 15 Zentimetern Höhe erkennbar wird. Für alle Menschen sind gerade die kleinen leicht zu übersehenden Schwellen eine Stolpergefahr, insbesondere für die besonders sturzgefährdeten Kinder. Diese Tatsache unterstreicht auch die Leiterin der Kindertagesstätte „Miniforscher“ Sylvia Borsdorf: „Wir haben durch die schwellenfreien Außentüren einfach eine Unfallgefahr weniger im Haus, das ist für uns Fachkräfte sehr wichtig. Für die Kinder ist die schwellenfreie Ausführung der häufig genutzten Terrassentüren einfach super.“

Der Einbau der Magnet-Doppeldichtung

Die Montagearbeiten dieser Nullschwelle, die Türen für alle Menschen nutzbar macht, gestalteten sich für den Tischler Hubein sehr einfach und unkompliziert: „Der ganze Bausatz mit integrierter Entwässerung und Dämmung war bei der Anlieferung komplett fertig vorbereitet. Ich musste nur noch das mitgelieferte Zubehör für Rahmen und Türflügel in meiner Werkstatt unten anschrauben und das Nullschwellen-Element mit dem Rahmen verbinden. Das war kein großer Aufwand.“ Auf der Baustelle konnten die notwendigen Höhenanpassungen ganz leicht mit den vorhandenen Distanzgewindeschrauben der industriell vorgefertigten Dichtung ausgeglichen werden, berichtet der Fachmann und betont: „In der mitgelieferten Broschüre wird alles ganz genau beschrieben, das kriegt jeder Kollege ganz locker hin!“

Ein ungewöhnlicher Dichtetest zeigt zuverlässige Dichtheit

Durch einen ungeplanten Vorfall in der Kindertagesstätte „Miniforscher“ konnte die Magnet-Doppeldichtung eine äußerst ungewöhnliche Prüfung bestehen. „Bei einem defekten Heißwasseranschluss hat sich im Innenbereich eine Steckverbindung gelöst, sodass eine ganze Nacht lang heißes Wasser in die Räumlichkeiten floss“, berichtet Hubein. Die Terrassentüren seien dicht gewesen, das heiße Wasser habe die Magnet-Doppeldichtungen nicht durchdrungen und staute sich an, so der erfahrene Fachmann und betont: „Diesen unvorhersehbaren Test hätte keine andere Türdichtung bestanden!“

Interdisziplinäre Ansätze und eine neue Kundenorientierung

In den letzten zwei Jahren hat der gelernte Stahlbauschlosser Klaus Asel aus Berlin in mehrere hundert Türen den Einbau der schwellenlosen Magnet-Nullschwelle geplant und umgesetzt. „Für mich ist es eine Wonne, die Dankbarkeit von meinen Kunden zu spüren, wenn diese z.B. nach Jahren zum ersten Mal wieder ungehindert auf ihren Balkon können!“, berichtet der Fensterbauer für außergewöhnliche Bauelemente, Sachverständiger für „altersgerechtes Umbauen“ zur Bestätigung von Baumaßnahmen nach dem KfW-Förderprogramm 159 und Inhaber der AKD Asel Baumanagement & Consulting Berlin. Asel ergänzt seinen breiten technischen Erfahrungshorizont mit einer pflegerischen Qualifikation. Er hat rund eineinhalb Jahre seine Mutter gepflegt und dafür unter anderem einen Pflegekurs besucht, Kenntnisse bei Antragsstellungen an Kranken- und Pflegekassen erworben und gelernt, dass selbst kleine bis zu zwei Zentimeter hohe Türschwellen für viele Nutzer unüberwindbar sind. Durch diese interdisziplinären Fähigkeiten bietet er eine ganz neue Kundenorientierung für Immobilienunternehmen und Endnutzer, welche die Bedürfnisse von Menschen beim Gebrauch von Fenstern und Türen in den Mittelpunkt stellt. Er unterstützt seine Kunden beim Erhalt von möglichen Zuschüssen und individuell genau passenden barrierefreien Türgestaltungen.

Türen ohne Schwelle sind möglch. Eine Nullschwelle im Bestand, die eine rund 15 cm hohe Türschwelle ersetzt. Foto: Klaus Asel

Die Dame konnte vor dem Türschwellen-Abbau nicht auf ihren Balkon. Die neue Nullschwellen-Qualität bedeutet für sie viel, denn ein fehlender Aufzug verwehrt ihr weiterhin das Verlassen ihrer Wohnung. So kann sie nun endlich selbstständig auf ihren Balkon! Foto: Klaus Asel, AKD Asel Baumanagement & Consulting Berlin

Ein Praxisbeispiel mit außergewöhnlichen Bauelementen

Eine ältere Rollstuhlnutzerin konnte aufgrund einer 22 Zentimeter hohen Schwellenausführung nicht mehr auf ihren Balkon. Gerade dieser ist bedeutend für die Dame, denn der Geschosswohnungsbau ihrer Eigentumswohnung aus den 60-ger Jahren hindert sie bis heute aufgrund von Treppen am Verlassen der Wohnung. „Ihre Nichte holte mehrere Angebote von verschiedenen Fensterbauunternehmen ein, alle außer mir boten den Einbau einer zwei Zentimeter hohen Balkontürschwelle an – eine Lösung, die von der Kundin nicht benutzt werden kann.“, berichtet der Handwerker. Da die vorhandene Balkontüre zu schmal war, um eine Türbreite von mindestens 80 Zentimetern im geöffneten Zustand zu erreichen, schlug der Stahlbauschlosser den Abbau von einer der beiden seitlichen Brüstungen vor. Dadurch konnte eine neue zweiflüglige Stulptürlösung mit einem großzügigen Öffnungsmaß von 164 Zentimeterngeschaffen werden. „Der 17 Zentimeter tiefer liegende Balkonfußboden wurde auf die Höhe des inneren Fußboden aufgestockt und als schwellenfreie Türdichtung konnte sogar die Neubaudichtung der Magnet-Nullschwelle eingebaut werden, da genügend Platz nach unten vorhanden war.“, erklärt Asel. Weiterhin habe die Kundin zum selbstständigen Öffnen und Schließen zwei ergonomische Griffe mit zusätzlicher Abschließbarkeit von innen mit Profilzylinder erhalten, auch eine Lösung die laut Asel kein anderes Fensterbauunternehmen anbieten konnte.

Der Einbau der Nullschwelle sei sehr einfach gewesen, das einzige was zu beachten sei, wäre ein millimetergenaues Arbeiten, aber das sei eh Kultur im Handwerk, so der Speziallist für barrierefreie Türen und fügt hinzu: „Die Freude und das Leuchten in den Augen meiner Kundin waren groß, als sie nach langer Zeit wieder das Grün im Garten, die Nachbarn gegenüber und das Leben vor der Tür sehen konnte.“ Dies wäre nur mit der Magnet-Doppeldichtung möglich gewesen, so Asel.

Das Thema Schwellenfreiheit in Türen wird immer bedeutender. Laut der Forschungsstudie „Wohnen im Alter“ vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung aus dem Jahr 2011 gibt es in Deutschland maximal 500.000 „altengerechte“ Wohnungen, wobei fraglich ist, ob diese über Schwellenfreiheit und bauliche Sturzprävention verfügen. Diese erschreckend niedrige Anzahl, lässt bei den aktuellen demographischen Entwicklungen eine bald nicht mehr zu erfüllende Nachfrage befürchten.

Text: Ulrike Jocham

 

Ein ungewöhnliches Meisterstück

Der Glasermeister Alexander Huber aus Aichtal hat sein Meisterstück, eine Hauseingangstüre mit der schwellenfreien ALUMAT-Magnet-Doppeldichtung angefertigt und dafür die Note 1,1 erhalten. „Die Verarbeitung war überraschend einfach, ich habe mir das viel schwieriger vorgestellt.“ Huber setzt sich schon seit Jahren für das Thema Barrierefreiheit ein. Um seinen Kunden gewerksübergreifende Kompetenzen, Leistungen und barrierefreie Baumaßnahmen anbieten zu können hat er sich der Handwerkerkooperation „Die Handwerksmeister Nürtingen“ angeschlossen.

 

 

Literaturverzeichnis

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung: Wohnen im Alter – Marktprozesse und wohnungspolitischer Handlungsbedarf, Forschungen Heft 147, Berlin: 2011

Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2013, Wiesbaden: 2013

Statistisches Bundesamt, Statistik der schwerbehinderten Menschen 2011, Wiesbaden: 2013

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