Schwellenlose Außentüren mit Einsparpotential

Cover von "plan aktuell", Artikel "Schwellenlose Außentüren mit Einsparpotential von Ulrike Jocham, die Frau NullschwelleSchwellenlose Außentüren mit Einsparpotential sind längst möglich. Doch die technischen Innovationen erfordern Sachverstand.

Lesen Sie mehr über industriell vorgefertigte Nullschwellen-Lösungen im folgenden Artikel, der auch in der Fachzeitschrift plan aktuell, Ausgabe 02/2017 erscheinen wird:

Schwellenlose Außentüren mit Einsparpotential

Der Anteil der älteren Menschen in unserer Gesellschaft nimmt stetig zu. Diese Menschen haben aufgrund körperlicher Veränderungsprozesse ganz andere Anforderungen an die Gestaltung von Architektur. Auf die Folgen dieses demografischen Wandels muss auch die Baubranche reagieren. Ein grundlegender und unabdingbarer Schritt ist dabei, bei Außentüren konsequent auf Nullschwellen zu achten. Die neuen architektonischen Ziele lauten Sturzprävention, Inklusion und gutes Design. Der Arbeitsschutz definiert bereits 4 mm als Stolpergefahr (ASTA: 3) und in der Profession Pflege gilt es, jede Sturzgefahr durch Kanten und Ecken im Fußboden zu vermeiden.

Für all diese nutzerorientierten und gesellschaftlichen Anforderungen bewährt sich die die Technik der Magnet-Nullschwelle ohne jegliche Sturz- und Stolpergefahren schon seit über 15 Jahren. Auch technisch hat diese Erfindung den ergonomisch optimalen Übergang zwischen innen und außen bis ins letzte Detail schon längst gelöst. Die schwellenfreie Lösung bietet allen nur Vorteile: Planer und Handwerker erhalten eine nachhaltig dichte Nullschwelle mit höchstem Vorfertigungsgrad und vereinfachter Montage und die Endanwender bekommen ergonomisch optimale, komfortable und sichere Nullschwellentüren für Hauseingänge wie auch für Terrassen- und Balkonzugänge. Diese Abdichtungstechnik entspricht dabei einem gesetzlich geforderten Universal-Design, die jeder sicher nutzen kann und die niemanden durch gefährliche Barrieren ausschließt (siehe unten, UN-BRK). Sie ermöglicht zusätzlich ein hochwertiges Design mit einem fließenden Übergang zwischen innen und außen, das störende Türschwellen zwischen 1–2 cm oder gar 5–15 cm überflüssig gemacht hat.

Industrielle Vorfertigung als sichere Maßnahme

Prinzipiell bietet eine werkseitige Vorfertigung bei Nullschwellen und bei den Andichtungen wesentlich mehr Abdichtungssicherheit. Die beiden Fachautoren Wilmes und Zöller haben dies bereits 2011 in einem Beitrag in der db deutsche bauzeitung gefordert: „Das Risiko von Fehlstellen ließe sich deutlich senken, wenn die Schwellenprofile sowie die aufgehenden Blendrahmen bis auf die jeweils erforderliche Höhe mit Bahnenstreifen werkseitig vorgefertigt wären.“ (Wilmes und Zöller 2011: 67) Die Experten sehen in der Barrierefreiheit eine zunehmende Bedeutung und fordern von den Türherstellern, sich der industriellen Vorfertigung insbesondere von Abdichtungsanschlüssen anzunehmen. (ebd.) Bisher kann nur ein Hersteller detaillierte Lösungen für eine derartige industrielle Vorfertigung von Nullschwellen und deren Andichtungen mit jahrzehntelanger Einsatzerfahrung vorweisen.

Nullschwellen-Stulptuer in den Alpen, Foto von Ulrike Jocham, die Frau NullschwlelleDie schwellenfreie Magnet-Doppeldichtung – selbst bei Orkan absolut dicht

Planer und Handwerker erhalten mit dem hohen Grad der werkseitigen Vorfertigung der Magnet-Nullschwelle nachhaltige Abdichtungs- und Systemsicherheiten. Bereits vor über 15 Jahren erreichten die sturzpräventiven Magnet-Doppeldichtungen die damals revolutionäre Schlagregendichtheit der Klasse 9 A (nach DIN EN 12208). Heute meistern sie schon Extraklassen bis zu E 1200. Diese hohen Klassifizierungen können mit folgender Leistungsbeschreibung übersetzt werden: Hielten die schwellenfreien Türdichtungen bisher orkanartigen Stürmen bei Windstärke 11 stand, gibt es jetzt die ersten Nullschwellen, die bei Orkan und Windstärke 12 und höher keinen Tropfen Wasser ins Gebäude lassen – und das ohne eine gefährliche Anschlagsschwelle. Das A steht dabei für eine ungeschützte Lage im Gebäude, also z. B. ohne Vordach, Mauervorsprünge oder Dachüberstände. Diese hohe Dichtheit konnte nicht nur auf dem Prüfstand, sondern seit über 15 Jahren bei zahlreichen Langzeiterprobungen in der Praxis erreicht werden. Die Einbauerfahrungen zeigen, dass selbst bei höchsten Wasserbelastungen wie z. B. auf Bergen oder an der Ostsee die Nullschwelle nachhaltige Dichtheit aufweist – selbst bei herausfordernden Stulptürkonstruktionen und ohne zusätzlichen Schutz durch Vordächer.

Kompensation zusätzlicher Maßnahmen

Die vorkonfektionierte Nullschwelle stellt durch den hohen Vorkonfektionsgrad ein komplettes Bauelement dar, das ansonsten notwendige und kostenintensive zusätzliche Maßnahmen ersetzen kann. Dies beweist die Technologie nicht nur durch die A-Klassifizierung (nach DIN EN 12208), sondern auch bei den ansonsten geforderten direkt anschließenden Rinnen zur Entwässerung. Das Wasser, das bis zu der Nullschwelle vordringt, wird direkt unterhalb der Magnetprofile nach unten in die Wassersammelkammern geleitet und von dort durch die Entwässerungsstutzen nach außen geführt. Dadurch kann dieses vorgefertigte Nullschwellenelement eine Rinne ersetzen (siehe u. a. Fachartikel in der GLASWELT 08/2016, Seite 54, Download unter: http://service.gentnerverlag.de/download/pdf/gw/Alumat.pdf). Dies bestätigen seit Jahren zahlreiche Einbaubeispiele, sogar bei höchsten Wasser- und Windbelastungen. Weitere Informationen finden Sie hier:

http://www.inklusiv-wohnen.de/files/Bericht_KorneliaGrundmann.pdf

http://www.inklusiv-wohnen.de/files/BARRIEREFREI_06.2015.pdf

Auch im Leitfaden Barrierefreies Bauen vom BMUB wird darauf hingewiesen, dass „doppelte, entwässerte Magnet-Dichtungen“ zusätzliche Maßnahmen kompensieren.(BMUB 2016: 120 f)

Vorgerfertigte Andichtungen 

Noch mehr nachhaltige Systemdichtheit kann mit den industriell vorgefertigten Andichtungen dieser Nullschwelle erreicht werden. Die Bauwerksabdichtungen bewähren sich bereits seit über zehn Jahren auf dem Markt und werden im Forschungsbericht vom Aachener Institut für Bauschadensforschung und angewandte Bauphysik (AIBAU) aufgrund der detaillierten werkseitigen Vorkonfektionierung zwischen Nullschwelle und Laibung empfohlen. (AIBAU 2010: 5) Horizontal werden die Abdichtungsbahnen bei der schwellenfreien Magnet-Doppeldichtung bis zur OK FFB hochgeführt und werkseitig nachhaltig sicher mit dem Nullschwellenelement verbunden. Vertikal sorgt eine Kunststoff-Halteplatte für eine sichere vorkonfektionierte Abdichtung mit drei Funktionen:

  1. Verbindung des fertigen Nullschwellenelements mit dem Blendrahmen
  2. Abdichtung gegen seitlichen Wasseraustritt aus der Wassersammelkammer der Magnet-Doppeldichtung in die Wandlaibung
  3. werkseitig sichere Verbindung der vertikalen PVC-Dichtungsbahn mit 150 mm Höhe (gemäß DIN 18195), um einen sicheren Abdichtungsübergang zwischen Türrahmen und der Mauerlaibung zu ermöglichen

Die horizontalen und die vertikalen Dichtungsbahnen müssen auf der Baustelle nur noch zusammengeschweißt werden. Für Architekten und Fensterbauer bedeutet diese Art von sicheren Zusatzmaßnahmen nachhaltig zuverlässige Abdichtungsleistung. Die Fehler, die beim Einbau gewerksübergreifend gemacht werden können, sind damit auf ein Höchstmaß eingeschränkt. So viel Sicherheit bietet bis jetzt nur diese Technik.

Recht – wichtige Informationen:

Eine schwellenfreie Architektur ist die Grundvoraussetzung für inklusives Planen und Bauen:

  1. Die Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) hat laut Bundesverfassungsgericht Gesetzeskraft. (Bvr 856/13) Sie fordert u. a. in den Artikeln 2 und 4f ein Universal-Design mit maximaler Nutzbarkeit, möglichst ohne Ausgrenzung und Benachteiligung. Sogar Normen und Richtlinien müssen entsprechend angepasst werden. Die Magnet-Doppeldichtung erfüllt die Forderungen der UN-BRK für alle Nutzer beim Passieren von Türen in jeder Beziehung. Download unter: http://www.un.org/depts/german/uebereinkommen/ar61106-dbgbl.pdf
  1. Bereits seit 2013 gibt es eine Stellungnahme vom Arbeitsausschuss der DIN 18040, die klar besagt, dass nur 0 cm hohe Türschwellen zulässig sind. In den absoluten Sonderfällen von 1–2 cm hohen Türschwellen muss sogar ein Sachverständiger kommen, der die technische Notwendigkeit bezeugen kann. (Jocham 2013: 77) Mit den vorhandenen technischen Lösungen, einer in Kraft gesetzten UN-BRK und dem längst bekannten demografischen Wandel rechtfertigt nichts mehr den Einbau von derart enormen Sturzgefahren. Mehr Informationen: http://www.inklusiv-wohnen.de/blog/106/veroeffentlichung_der_stellungsnahme_vom_arbeitsausschuss_der_din_18040:_nur_schwellenfrei_ist_barrierefrei.html
  2. Das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg hat bereits Ende 2014 in einem bundesweit einzigartigen Runderlass Türschwellen zumindest innerhalb des barrierefreien Bauens verboten. Download unter: http://www.inklusiv-wohnen.de/files/12015-01-15_DIN18040_LTB_Verkehrsministerium.pdf

Text: Ulrike Jocham

Ulrike Jocham ist Brückenbauerin zwischen verschiedenen Professionen. Als Dipl.-Ing. in Architektur und als Heilerziehungspflegerin sorgt sie dafür, dass bessere Lösungen für alle entstehen. Ihr disziplinübergreifendes Wissen und ihre Schnittstellenkompetenzen zu Themen wie Bielefelder Modell und Inklusion beim Wohnen, Lernen, Arbeiten und Leben stellt sie gern als Beraterin und in Vorträgen bereit.

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