Forschungsvorhaben hemmt Barrierefreiheit, Inklusion und Innovation

In dem geförderten Forschungsvorhaben „Bewertung der Barrierefreiheit von Bauelementen am Anwendungsbeispiel Fenster und Türen“ (Juni 2018) vom ift Rosenheim untersucht das Prüfinstitut für Fenster und Türen auch 1 – 2 cm hohe Türschwellen, obwohl diese nicht barrierefrei sind. Die neue Variante des ift lautet diesmal „überrollbare“ Türschwellen für Außentüren wie Hauseingangstüren oder Terrassen- und Balkontüren. Doch allein der Titel des Forschungsberichts verlangt ausschließlich die Untersuchung von tatsächlich barrierefreien Nullschwellen. Lösungen dafür gibt es längst. Damit missachtet das Prüfinstitut nicht nur die Forderungen der UN-BRK nach einem Universal Design für alle, sondern auch die Anforderungen der Norm für Barrierefreiheit, der DIN 18040.

 

  1. Forschungsvorhaben steht im Widerspruch zur DIN 18040

Die DIN 18040 fordert Nullschwellen. Jede 1 cm oder gar 2 cm hohe Türschwelle muss technisch begründet werden können. Siehe Nullschwellen-Stellungnahme vom Arbeitsausschuss der DIN 18040 aus dem Jahr 2013: Nur 0 cm hohe Übergänge sind barrierefrei. Nach dieser Nullschwellen-Stellungnahme müssen alle 1 – 2 cm hohen Türschwellen technisch begründet werden können. Doch es gibt keine technischen Gründe mehr, die derartige Ausgrenzungen und Sturzrisiken rechtfertigen! Die vom ift vorgeschlagenen „überrollbaren“ Türschwellen, entsprechen damit nicht den Anforderungen der Barrierefreiheit nach der DIN 18040. Weshalb das ift in seinem Bericht, welcher die Barrierefreiheit bewerten soll, überhaupt bis zu 2 cm hohe Türschwellen aufführt und deren „Überrollbarkeit“ untersucht, bleibt offen.

 

  1. Es gibt keine Gründe mehr für Türschwellen – alle technischen Leistungsanforderungen an Nullschwellen sind gelöst

Mittlerweile hat sogar erstmals eine Nullschwelle weltweit die erste Passivhaus-Zertifizierung erreicht. Und auch Dichteklassifizierungen wie die Schlagregendichtheit nach DIN EN 12208 und die Luftdurchlässigkeit nach DIN EN 12207 haben Nullschwellen selbst ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen wie Vordächer oder direkt angrenzende Rinnen schon längst mit Bravour gemeistert. Sogar für den Einbruchschutz gibt es Nullschwellen-Lösungen. Weiterhin haben die Nullschwellen-Stellungnahme und der Nullschwellen-Runderlass die Nullschwellen-Entwicklungen verbessert. Neben der Magnet-Nullschwellen-Technik bieten nun auch 20 Jahre nach der Markteinführung der ersten Nullschwelle für Drehflügel-Außentüren auch andere Hersteller Nullschwellen für Drehflügel-Außentürdichtungen an – allerdings alle mit Absenkdichtungen. Seit 2016 gibt es dafür erste Prüfzeugnisse, die ebenfalls eine geprüfte Schlagregensicherheit der Klasse 9 A aufzeigen. Dass diese hohe Dichteklassifizierung mit einer Nullschwelle für Drehflügel-Außentür bereits im Jahr 2001 erreicht wurde, zeigt ein Prüfzeugnis am Ende dieses Blogbeitrags.

Im Forschungsbericht vom ift wird hingegen bei der Zusammenfassung auf Seite 133 behauptet, dass die Leistungskriterien wie z.B. Schlagregendichtheit, Luftdurchlässigkeit und Einbruchschutz einer Schwellenlosigkeit „teils konträr gegenüber“ stünden.

Weitere Prüfzeugnisse und Zertifikate am Ende dieses Blogbeitrags belegen, dass auch diese Leistungskriterien bei Nullschwellen längst gelöst sind (Schlagregendichtheit mit der Klasse 9 A und höher, Luftdurchlässigkeit mit der Klasse 4, Einbruchschutz mit RC 2, Passivhauszertifizierung). Der Nullschwellen-Hersteller, der seit über 20 Jahren schon Nullschwellen selbst an den herausfordernden Fenstertüren, also Terrassen- und Balkontüren, ermöglicht, hat diese Prüfzeugnisse zur Verfügung gestellt. Mein herzliches Dankeschön dafür möchte ich an dieser Stelle der ALUMAT Frey GmbH zum Ausdruck bringen. Das ist nicht selbstverständlich. Prüfzeugnisse sind leider oft nicht barrierefrei zugänglich. Nur wenige Deckblätter können im Internet gefunden werden. Eine barrierefreie und leichte Zugänglichkeit branchenübergreifend für alle wäre hier dringend notwendig, um mehr Transparenz zu schaffen.

Ergänzung zu Prüfzeugnissen: Laut einer anderen Veröffentlichung vom ift sind die bis zu 2 cm hohen Außentürdichtungen sogar technisch schlechter, als die Nullschwellen-Dichtung, die bereits 2001 die Schlagregensicherheit der Klasse 9 A erreicht hat. Der betreffenden ift Veröffentlichung aus dem Jahr 2016  ist zu entnehmen, dass die bis zu 2 cm hohen Türschwellen ohne zusätzlichen Schutz maximal die Schlagregensicherheit 5 A erreichen würden. Diese Leistung ist 4 Klassen schlechter als die Leistung der geprüften Nullschwelle bereits im Jahr 2001 mit der Schlagregensicherheitsklasse 9 A. (siehe Prüfzeugnis unten)

 

  1. Missachtung der UN-BRK

Die Autoren des ift Forschungsberichtes führen unter den Gesetzen zwar die UN-Behindertenrechtskonvention als ein von ihnen recherchiertes Gesetz auf, erfüllen jedoch nicht die grundsätzlichen Anforderungen dieses Gesetzes, welches am 31.12.2008 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde. In Kraft getreten ist die UN-BRK am 26.03.2009.

a) Dieses Gesetz fordert die Teilhabe von allen Menschen, auch von denjenigen mit einem intensiveren Unterstützungsbedarf. Gerade die Zielgruppe der Menschen, die einen intensiveren Unterstützungsbedarf aufweisen, können zumeist nicht über kleine Schwellen gelangen, auch nicht über „besser überrollbar gestaltete“ Schwellen. Eine Kategorisierung, wie vom ift in einer PM angestrebt, spricht ebenfalls gegen ganz grundsätzliche Anforderungen der UN-BRK.

b) Weiterhin fordert die UN-BRK eine Zugänglichkeit (Accessibility) für alle. Dies ist bei Außentüren nur möglich, wenn sie Nullschwellen vorweisen. Auch „besser überrollbare“ können von vielen Menschen mit Behinderung nicht genutzt werden. Sie verhindern eine Zugänglichkeit für alle und entsprechen deshalb nicht den Anforderungen der UN-BRK.

c) Zusätzlich verlangt die UN-BRK ein Universal Design, das jeder nutzen kann. Die vom ift angestrebte „Überrollbarkeit“ von Türschwellen entspricht nicht dem geforderten Universal Design.

 

  1. Verwendung von öffentlichen Fördergeldern für ein Forschungsvorhaben, das weder die Norm für Barrierefreiheit (DIN 18040) noch die Anforderungen der UN-BRK, noch die Ziele der betreffenden Förderrichtlinien umsetzt?!

Das ift hat für dieses Forschungsvorhaben im Rahmen der Forschungsinitiative Zukunft Bau des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung öffentliche Gelder in Anspruch genommen. Doch neben der DIN 18040 und der UN-BRK sind auch laut der betreffenden Förderrichtlinie Nullschwellen gefordert. Diese verlangt Innovation. Türschwellen hingegen, egal ob „überrollbar“ oder nicht, bedeuten einen Rückschritt. Die Förderrichtlinien fordern weiterhin unter anderem: nutzerorientiertes Bauen, innovative Konzepte, bediener- und nutzerfreundliche Ausstattung von Gebäuden, Lösungen für „altersgerechte“ Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben, innovative Konzepte für das Betreute Wohnen, Berücksichtigung unterschiedlicher Bedürfnisse, Chancengleichheit, robuste Raumkonzepte. All dies ist nur mit Nullschwellen möglich!

Wollen wir nach 10 Jahren UN-BRK Wege finden, um diese umzusetzen, oder wollen wir weiterhin Wege akzeptieren, die versuchen die UN-BRK zu umgehen?!

Den betreffenden Forschungsbericht vom ift können Sie unter folgendem Link finden: http://www.irbnet.de/daten/rswb/18109012572.pdf

 

Hier für Sie ein paar technische Prüfzeugnisse, Kurzberichte und Zertifikate: Schlagregendichtheit, Luftdurchlässigkeit und Einbruchschutz sowie Passivhauszertifizierung (Weltneuheit) sind mit Nullschwellen möglich!

Passivhauszertifikat_ersteNullschwelle_weltweit

Kurzbericht RC 2 mit PVC-Profilen

Deckblatt eines Prüfzeugnisses, eine Nullschwelle hat in einer Stulptürausführung die Extraklasse E 750 für Schlagregendichtheit erreicht

Schlagregendichtheit ist auch ohne störende Türschwellen erreichbar, und das nicht nur bei einflügligen Drehflügel-Außentüren, sondern auch bei Stulptüren. Dieses Prüfzeugnis zeigt sogar bei einer 2-flügligen Fenstertür eine noch höhere Klasse für Schlagregendichtheit als die Klasse 9 A – die Extraklasse E 750.

RC 2 Einbruchschutz mit Nullschwelle ist möglich

Auch ein ausreichender Einbruchschutz ist möglich.

Prüfzeugnis aus 2001_Nullschwelle erreicht Schlagregendichtheit 9A

Bereits 2001 hat die Technik der Magnet-Nullschwelle die beachtliche Schlagregendichtheit der Klasse 9 A gemeistert. Diese hohe Klasse wird erreicht, wenn Wasser ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen mit der Windstärke 11 direkt auf der Nullschwellen-Dichtung aufkommt und trotzdem kein Wasser durch die Türe durchdringt. Bei Windstärke 11 werden Dächer abgedeckt, Autos aus der Spur geworfen und Bäume entwurzelt.

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