Best-Practice-Beispiele: Nullschwellen an Außentüren

Nullschwellen-Stulptür in Fassade in den bayerischen Alpen, Foto von Ulrike Jocham, der Frau Nullschwelle

Wenn selbst solche Nullschwellen-Stulptüren wie hier im Hotel Tannerhof  in den bayerischen Alpen, auf die der Regen direkt auftreffen kann, bereits seit vielen Jahren absolut dicht sind, brauchen wir über die technische Machbarkeit von Nullschwellen an Außentüren nicht mehr diskutieren. Gerade Stulptüren mit Nullschwellen stellen eine große Herausforderung hinsichtlich der Abdichtung ohne einen Türanschlag dar. Diese Nullschwellen-Stulptür ist sogar ohne zusätzliche Rinne bereits seit 2011 zuverlässig dicht. Nullschwellen sind längst gelöst!

Best-Practicebeispiele: Nullschwellen an Außentüren – eine lange Liste von Einbaubeispielen (siehe weiter unten in diesem Blogbeitrag) zeigt, dass es keinen Zweifel mehr an der technischen Machbarkeit von Nullschwellen gibt!

Die Auflistung von Best-Practice-Beispielen in Immobilien mit Nullschwellen an Außentüren zeigt außerdem, dass Türanschlagdichtungen mit einer Höhe von 1 – 2 cm schon seit über 20 Jahren an Hauseingangstüren, Wohnungseingangstüren auf Laubengängen und an Terrassen- und Balkontüren technisch nicht mehr begründbar sind. Insbesondere im Neubau geht es längst ohne gefährliche Türschwelle. Bereits 1996 wurde die erste Nullschwelle für Drehflügel-Außentüren als Magnet-Nullschwelle eingeführt. Diese Nullschwelle eines einzigen Herstellers war jedoch bis 2016 die einzig erhältliche Nullschwelle mit hoher Schlagregendichtheit auf dem Markt. Erst 20 Jahre später haben weitere Hersteller begonnen, Nullschwellen mit Prüfungen für Schlagregendichtheit anzubieten – erstaunlicherweise alle mit Absenkdichtungen. Seitdem ist klar, dass Nullschwellen an Außentüren schon längst auch von anderen Herstellern möglich gewesen wären, denn die Technik der Absenkdichtungen gibt es schon seit 1955. Weshalb in den beiden Normenteilen DIN 18040-1 (aus 2010) und DIN 18040-2 (aus 2011) der Sonderfall der bis zu 2 cm hohen Türschwellen bei einer technischen Unabdingbarkeit überhaupt noch aufgenommen wurde, muss dringend interdisziplinär überprüft werden. In einem von Prof. Lothar Marx verfassten Fachartikel aus der DBZ in der Ausgabe 7 aus dem Jahr 2009, also schon vor der Veröffentlichung der DIN 18040 Teil 1 und 2, ist bereits zu lesen, dass Türschwellen an Hauseingängen und an Übergängen zu Freisitzen nicht mehr notwendig sind. Marx konnte zu diesem Zeitpunkt als technisch unabdingbaren Sonderfall nur eine Brandschutztür zu einem Maschinenraum aufführen. Und genau diese deutliche und unmissverständliche Formulierung fehlt in der DIN 18040 Teil 1 und 2, obwohl Prof. Lothar Marx im Kommentar zur DIN 18040 Teil 1 vom Beuth Verlag auf Seite 34 als Mitglied vom zuständigen Arbeitsausschuss aufgeführt und das technische Wissen somit im damaligen DIN 18040-Arbeitsausschuss vorhanden war. Es gab also schon 2010 und 2011 selbst bei Terrassen- und Balkontüren im Neubau keine technischen Gründe mehr für den absoluten Sonderfall der 1 – 2 cm hohen Türschwellen und Türanschlagdichtungen. Doch genau dieser absolute Sonderfall, der technisch laut der Nullschwellen-Stellungnahme vom Arbeitsausschuss der DIN 18040 begründet werden muss, stellt bis heute in der Baupraxis des barrierefreien Bauens den nicht barrierefreien und fragwürdigen Sonderfall dar. Folgende klare Formulierung hätte diese zahlreichen und technisch überflüssigen Sturz- und Haftungsrisiken, die nun bis jetzt auf Kosten der Bürger und der Pflegeversicherung zurückgebaut werden müssen, verhindert:

Türschwellen und –anschläge an allen Türen und auch an Hauseingangstüren sowie an Terrassen- und Balkontüren sind unzulässig. Nur in absoluten Ausnahmefällen wie z.B. an Brandschutztüren eines Maschinenraumes dürfen sie max. 2 cm hoch sein. (Formulierungsvorschlag von Ulrike Jocham)

Für alle technisch unbegründbaren Türschwellen müssen nun laut der bedeutenden Nullschwellen-Stellungnahme vom Arbeitsausschuss der DIN 18040 und dem in Baden-Württemberg ergänzenden Nullschwellen-Runderlass der obersten Baurechtsbehörde technische Gründe nachgeliefert werden, die es nicht mehr gibt. Auch die UN-Behindertenrechtskonvention, die am 31.12.2008 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde, forderte schon bei Entstehung der DIN 18040 Teil 1 und 2 (2010/2011) die Anpassung von Normen und Richtlinien im Sinne des Universal Designs (siehe Artikel 2 und 2f). Und Universal Design nach der UN-BRK bedeutet Nullschwellen. Nur Nullschwellen können von allen genutzt werden, 1 – 2 cm hohe Türschwellen nicht. Und nur Nullschwellen ermöglichen Inklusion und umfassende Teilhabe von allen Menschen mit Behinderung, unabhängig von deren Unterstützungsbedarf, Türschwellen zwischen 1 – 2 cm Höhe oder gar 5 – 15 cm hingegen gefährden, grenzen aus und benachteiligen.

Trotz vorhandener und bewährter Best-Practice-Beispiele begegnen mir jedoch seit 2005 viele unbelegte Behauptungen, dass die einzige vorhandene Nullschwelle mit Magnet-Dichtung nicht funktionieren solle. Doch alle Einbaubeispiele, die ich persönlich schon zwischen 2005 und 2012 kennen lernen konnte, dichteten bereits damals seit vielen Jahren zuverlässig und problemlos ab. Seit meiner ersten Begegnung mit der Magnet-Nullschwelle 2005 war mir bewusst, dass die Nullschwelle eine entscheidende und unverzichtbare Konstruktionsstelle innerhalb der Barrierefreiheit und des inklusiven Gestaltens darstellt. Unbelegte Behauptungen, dass die einzig vorhandene Nullschwellen-Lösung nicht funktionieren solle, mussten schon damals dringend allein aufgrund der UN-BRK und der notwendigen Sturzprävention im Zeitalter des demografischen Wandels widerlegt werden. Ein weiteres großes Problem ist mir bereits von 2005 bis 2013, vor Entstehung der bedeutenden Nullschwellen-Stellungnahme aufgefallen: Menschen mit Behinderung bekommen Türschwellen, obwohl sie Nullschwellen brauchen und wollen. Hier hat sogar ein Vater von einem Sohn mit Behinderung in seinem Kaufvertrag barrierefreie Außentüren vereinbart und trotzdem 1 – 2 cm hohe Türschwellen erhalten?! Unter anderem aus diesem Gründen sind meine zahlreichen Publikationen und Projektberichte entstanden. Da es von 1996 bis 2016 nur die Magnet-Nullschwelle für Drehflügel-Außentüren gab, konnte ich ausschließlich diese Nullschwellen-Technik auf Langzeitbewährung, Systemsicherheit und nachhaltiger Dichtheit untersuchen.

Ohne den einzigen Nullschwellen-Vorreiter gäbe es bis heute keine einzige Nullschwelle. Und ohne meine beständigen Recherchen, Einbau-Kontrollen und Überprüfungen sowie Veröffentlichungen und Vorträge gäbe es bis heute keine zusätzlichen Nullschwellen-Anbieter. Und ohne den Mut der nun folgenden Projektverantwortlichen, die Nullschwellen einfach umgesetzt haben, gäbe es keine Langzeitbewährung. Heute nach mehr als zahlreichen Langzeitbewährungen und besten Prüfwerten von akkreditierten Prüfinstituten ist nachhaltige Systemsicherheit mit Nullschwellen an Drehflügel-Außentüren bewiesen.

Ab hier gibt es Links zu Best-Practice-Beispielen – bitte die blaue Schrift anklicken:

  1. Best-Practice-Beispiel – eine Dame mit Muskelerkrankung und weitere Experten in eigener Sache berichten von ihren Nullschwellen, auch mit Einblicken wie stark Menschen mit Behinderung um Nullschwellen kämpfen müssen
  2. Best-Practice-Beispiel seit 2005: Das Bielefelder Modell – die erste Begegnung mit der Magnet-Nullschwelle: Bereits seit 2005 recherchiere ich disziplinübergreifend zum inklusiven Wohnkonzept des Bielefelder Modells. Beide Gründer haben mich über Jahre hinweg wohnkonzeptionell, sozialrechtlich und baurechtlich geschult. Durch einen der Gründer aus dem Bereich der Wohnungswirtschaft konnte ich schon 2005 die Magnet-Nullschwelle kennen lernen, die schon damals in alle Wohnprojekt-Wohnungen, auch in die sozial geförderten, eingebaut wurde.
  3. Best-Practice-Beispiel seit 1999: Die Stiftung Espachstift aus Kaufbeuren hat bereits 1999 Nullschwellen an den Freisitztüren in 14 Wohnungen des Betreuten Wohnens einbauen lassen. Ich habe den verantwortlichen Handwerker, der diese Fenstertüren eingebaut hat für die Fachzeitschrift GLASWELT Ausgabe 3/2018 interviewt
  4. Best-Practice-Beispiel seit 2013: Neubau von der Stiftung Espachstift: Auch im 2013 eröffneten Neubau für Betreutes Wohnen mit insgesamt 44 Wohnungen hat die Stiftung Espachstift wieder auf den Einbau von Nullschwellen an allen Außentüren bestanden.
  5. Best-Practice-Beispiel seit 2007: Die BeneVit-Gruppe aus Mössingen stattet seine Pflegeheime bereits seit 2007 konsequent mit Nullschwellen an Außentüren aus. Diesen Artikel habe ich kurz vor der Entstehung der Nullschwellen-Stellungnahme vom Arbeitsausschuss der DIN 18040 verfasst, in dem u.a. auch eine Einschätzung vom Immobilienrechtsexperten Dr. Stefan Voß von der Rechtsanwaltskanzlei CMS Hasche Sigle zu lesen ist. Auch ihm war damals die Barriere- bzw. Schwellenfreiheit bei Außentüren nicht ausreichend definiert.“ Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine verständliche Übersetzung für die Leistungseigenschaft Schlagregendichtheit der Klasse 9 A nach DIN EN 12208.
  6. Best-Practice-Beispiel Kita mit ungewöhnlichem Dichtetest und Berichte von Fensterbauern und Nutzern: 2014 konnte ich aufgrund von intensiven Recherchen die Schlagregendichtheit der Klasse 9 A nun endlich für alle verständlich übersetzen: Die Abdichtungsleistung ist extrem hoch, das konnte bis dahin kaum jemand nachvollziehen:  die Magnet-Nullschwelle ist selbst bei Windstärke 11, bei der Bäume ausgerissen, Dächer abgedeckt und Autos aus der Spur geworfen werden, trotz Schwellenlosigkeit zuverlässig dicht. Diese Erläuterung inklusive mehrerer gelungener Einbaubeispiele sowie positiven Erfahrungsberichten von Fensterbauern und Nutzern wurde in einem Artikel von der Glaswelt Ausgabe 7/2014 veröffentlicht.
  7. Best-Practice-Beispiel seit 2015: hilzinger verbaut erstmals über 550 Nullschwellen nach meinem Vortrag auf dem Netzwerk-Partnertag 2014 in Heidenheim – Achtung: 2014 und 2015 gab es immer noch nur einen Hersteller von Nullschwellen für Drehflügel-Außentüren mit Schlagregendichtsheitsprüfungen
  8. Best-Practice-Beispiel seit 2007: Das Haus an der Ostee mit breiten Nullschwellen-Stulptüren ohne ausreichend großes Vordach und ohne Rinne im hochbelasteten Gebiet an der Ostsee absolut dicht – Das Haus an der Ostsee
  9. Best-Practice-Beispiel seit 2011: Hotel Tannerhof, u.a. mit breiten Nullschwellen-Stulptüren ohne ausreichend großes Vordach und ohne Rinne im hochbelasteten Gebiet der bayerischen Alpen, also ebenfalls seit mehreren Jahren, nachhaltig dicht
  10. Best-Practice-Beispiel seit 1996 von Brigitte und Frieder Seiferheld, die nur gute Erfahrungen gesammelt haben: Es muss die echte Nullschwelle sein

Weitere Best-Practice-Beispiele bereits aus 1996 folgen demnächst!

Best-Practice-Beispiele für Türschwellen-Rückbauten im Bestand mit dem Renovierungsprofil der Magnet-Nullschwelle:

  1. Best-Practice-Beispiel seit 2014 – Türschwellenrückbau im Rathaus Geislingen an der Steige: Barrierefreiheit in denkmalgeschützten Gebäuden – Fortschrittliche Außentürdichtung ersetzt hinderliche Türschwelle im Baudenkmal in Geislingen
  2. Best-Practice-Beispiele im Pflegezentrum Bürgerheim Nördlingen, in einer Seniorenwohnanlage von den Sozialbetrieben Köln und im Altenpflegeheim St. Paulus in Hildesheim, Türschwellenrückbau in bestehenden Gebäuden

Best-Practice-Beispiele mit der Neubaudichtung der Magnet-Nullschwelle im Bestand folgen!

 

4 Comments, RSS

  1. A. Tittel-Evers 18. August 2019 @ 17:11

    So gute Recherchen dürfen nicht umsonst durchgeführt worden sein. Bei uns wurde nachträglich eine Nullschwelle auf Kosten der Krankenkasse eingebaut. Diese Kosten hätten der Krankenkasse erspart werden können. Aber sie hat uns das Leben erleichtert.
    Liebe Politiker wacht endlich auf und packt das Thema an!

  2. Georg Kleiner 18. August 2019 @ 17:49

    Es sind vor allem Schwellen des Denkens, die praktische Hindernisse bewirken, weil sie nicht richtig zu Handeln wissen. Ich bin buddhistisch darauf vorbereitet, provozierende Situationen sind offenbar das einzige Mittel, Geduld zu lehren. Gruss Georg

  3. Sabine Schenk 19. August 2019 @ 8:29

    Vielen Dank für diesen wichtigen Beitrag.
    Gerade auch für Menschen wie mich, die ( noch) nicht selbst betroffen sind, ist es sehr wichtig über das Thema Nullschwellen informiert zu werden.
    Ich selbst habe keine Behinderung und bin aber doch durch meine Tochter mit Down Syndrom tagtäglich zum Thema Inklusion unterwegs.
    So erlebe ich in meinem Alltag keine wirklich gelebte Inklusion, weder schulisch oder im Beruf und Freizeit.
    Und wenn man sich dann mit dem Thema Nullschwellen auseinandersetzt, erfährt, was auch da von der UN BRK gefordert wird, dann schlägt man die Hände über den Kopf zusammen wenn man liest wie der Staat nicht seiner Pflicht nachkommt und die Nullschwellen endlich umsetzt.
    Es ist möglich, in diesem Beitrag wird es deutlich.
    Wann wird denn nun endlich die Politik aktiv zum Thema Inklusion in allen Bereichen?

  4. Irene Ehret 19. August 2019 @ 20:58

    Eine sehr gelungene Zusammenstellung der verschiedensten Anwendungsfälle, die noch viel breiter bekannt gemacht werden sollte.
    Wer das nicht versteht, will es nicht verstehen !
    Und Letzteres dürfte das größte Problem sein, weil unsere Politik nicht mehr die Bürger unterstützt sondern lieber die Industrie.
    Es zeigt sich einmal wieder, dass die größten Barrieren in den Köpfen sind.

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