2 cm hohe Türschwellen keine Barriere?!

2 cm hohe Türschwellen keine Barriere?! Leider lese und höre ich derartige Fehlannahmen immer und immer wieder: Selbstfahrende „Rollstuhlfahrer“ sollen mit Schwellen bis zu 2 cm  Höhe in der Regel gut zurechtkommen?! Mit einer Höhe von maximal 2 cm sollen Balkonzugänge in der Regel auch von „Rollstuhlfahrern“ ohne größere Probleme zu nutzen sein?! Bitte teilen Sie den folgenden Blogbeitrag, damit endlich die Verbreitung von derartigen Fehlannahmen, die zu grundlosen Benachteiligungen, Ausgrenzungen und Gefährdungen führen, gestoppt wird!!! In diesem Blog gibt es Perspektiven von Medizinern, Pädagogen, Pflegefachkräften, Experten in eigener Sache und pflegenden Angehörigen,  die den Bedarf an barrierefreie Nullschwellen belegen.

„Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den Schwächsten ihrer Glieder verfährt.“ Zitat von Gustav Heinemann, dritter Bundespräsident der BRD

Immer und immer wieder behaupten monoprofessionell ausgebildete Autoren aus technischen Berufen derartig pauschale Aussagen, ohne dafür eine Qualifikation aus Pflege, Pädagogik oder Expertentum in eigener Sache vorweisen zu können. Gerade Autoren, die Informationen verbreiten, tragen eine besondere Verantwortung für die fachliche Korrektheit. Die Behauptenden müssten belegen können, dass fast alle Rollstuhlnutzer selbstständig über 2 cm hohe Türschwellen gelangen können. Das hat beim Verstreuen dieser Fehlannahmen aus meiner Erfahrung keiner getan. Doch eine Frage nach „in der Regel“ entbehrt bei Menschen jeglicher Grundlage. Laut der Definition von „barrierefrei“ im Behindertengleichstellungsgesetz § 4 ist eine Nutzbarkeit in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe für alle Menschen mit Behinderung vorgeschrieben. Hier steht nicht, dass diese Definition nicht für Menschen mit einem intensiveren Unterstützungsbedarf gelten soll. Auch das Gesetz zum Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung (kurz: UN-Behindertenrechtskonvention, UN-BRK), das am 31.12.2008 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde, fordert umfassende Teilhabe für alle Menschen mit Behinderung, auch für diejenigen mit einem intensiveren Unterstützungsbedarf.

Deshalb ist beim barrierefreien Planen und Bauen ein Blick auf alle Menschen mit Behinderung gefragt – alle „Behinderungsarten“ müssen in gleicher Art und Weise berücksichtigt werden!

Jeder Mensch bringt komplett unterschiedliche Voraussetzungen mit. Die bekannte Karikatur von Traxler verdeutlicht dies sehr anschaulich.  Auf der Zeichnung fordert ein Mann hinter einem Schreibtisch mehrere Tiere auf, auf einen Baum zu klettern, u.a. einen Affen, einen Vogel und einen Elefanten.

Es gibt Rollstuhlnutzer, die z.B. im Oberkörper fit und mobil sind und die erstaunlichsten Kunststücke mit dem Rollstuhl zeigen können und es gibt Rollstuhlnutzer, die beispielsweise auch im Oberkörper Paresen (z.B. höhere Querschnittlähmungen) oder Erkrankungen (z.B. fortgeschrittene MS) vorweisen. Von allen Rollstuhlnutzern das Passieren von 1 – 2 cm hohen Türschwellen zu verlangen, stellt eine massive Diskriminierung und Benachteiligung für diejenigen dar, die es aufgrund von körperlichen Einschränkungen nicht können.

2 cm hohe Schwellen sollen keine Barriere sein?!

Bereits 0,5 cm hohe Türschwellen können für viele Menschen mit Behinderung eine Barriere darstellen. Es muss die echte Nullschwelle ohne technisch überholte Türanschlagdichtung sein. Foto: Ulrike Jocham, die Frau Nullschwelle®

Ein „in der Regel“ gibt es bei Menschen nicht. Erfahrungsgemäß stellen 1 – 2 cm hohe Türschwellen insbesondere für Rollstuhlnutzern mit Bewegungseinschränkungen im Oberkörper beachtliche Barrieren dar – allein diese Zielgruppe ist groß und widerlegt die „In-der-Regel-Behauptung“. Aber es gibt nicht nur Rollstuhlnutzer, für die 1 – 2 cm hohe Türschwellen, eine Barriere darstellen, es gibt zahlreiche weitere Menschen mit Behinderung (z.B. Nutzer von Prothesen, Menschen mit Vollerblindung), die 1 – 2 cm hohe Außentürschwellen ebenfalls als Barriere erleben. Unter den folgenden Links finden Sie Perspektiven von Menschen mit Behinderung, pflegenden Angehörigen und Fachkräften, die die verbreiteten Fehlannahmen widerlegen – bitte teilen, teilen, teilen, damit statt der Fehlannahmen ein neues, positives, wertschätzendes, empowerndes und inklusives Verständnis entstehen kann:

Ein Rollstuhlnutzer mit einer über 30-jährigen Erfahrung im Umgang mit Rollstühlen erklärt, wie er die 1 – 2 cm hohen Barrieren erlebt

Mehrere Perspektiven aus den Professionen Medizin und Expertentum in eigener Sache erläutern die Bedeutung von Nullschwellen an Außentüren und die extrem schädlichen Auswirkungen von 1 – 2 cm hohe Türschwellen auf verschiedene Menschen mit Behinderung. Türschwellen wirken bei verschiedenen „Behinderungsarten“ unterschiedlich schädlich, benachteiligend, ausgrenzend und gefährlich. Diese Texte habe ich bereits 2012 verfasst, zu einer Zeit in der es nur einen einzigen Hersteller von Nullschwellen an Drehflügel-Außentüren gab. Zahlreiche Fehlbehauptungen, dass diese damals einzige Nullschwellen-Technik nicht funktionieren solle, haben die Zugänglichkeit dieser barrierefreien und universell-designten Lösung grundlos verhindert. Die UN-BRK fordert die Zugänglichkeit von Universal-Design-Produkten für alle Menschen mit Behinderung. Die falschen Tatsachenbehauptungen, wie u.a. diese Nullschwelle würde nicht funktionieren, sie verklemme bei Schmutz oder sie ließe Wasser ins Gebäude, verhinderten diese geforderte Zugänglichkeit. Deshalb habe ich mit zahlreichen Veröffentlichungen die Funktionstauglichkeit der Magnet-Nullschwelle erläutert und belegt. Diesen Text habe ich ebenfalls bereits 2012 verfasst, damit eine bereits seit 1996 vorhandene Innovation endlich zum Wohle aller Menschen genutzt wird. Weiterhin machte ich diese barrierefreie Technik so bekannt wie möglich, damit viele Menschen mit Behinderung und ältere Menschen endlich das erhalten, was sie im Alltag für eine längst geforderte umfassende Teilhabe unabdingbar benötigen.

Verschiedene Experten in eigener Sache, pflegende Angehörige, Behindertenbeauftragte und Pflegefachkräfte kommen in diesem Artikel von mir zu Wort, der in der Ausgabe 10/2017 in der GLASWELT erschienen ist.

Der Heilerziehungspfleger, Bernd Pörtener, also ein Experte, der tagtäglich mit Menschen mit Behinderung arbeitet, erklärt die Barriere-Auswirkung von Türschwellen folgendermaßen: „Für viele, die einen Rollstuhl benutzen, kann auch eine Mauer in die Türe gebaut werden, die hat dann den gleichen Effekt wie 2 cm hohe Türschwellen, denn sie kommen nicht da- rüber.“ Dieses Zitat ist in einer Buchrezension von mir zum Fachbuch Balkone, Loggien und Terrassen vom Rudolf Müller Verlag in der Fachzeitschrift BEHINDERT MENSCHEN (Ausgabe 1/2017) erschienen.

Eine Kita-Leitung, die nach einem Umbau Nullschwellen statt Türschwellen erhalten hat, erklärt die Unfallgefahr durch Türschwellen und die Erleichterung durch Nullschwellen: „Wir haben durch die schwellenfreien Außentüren einfach eine Unfallgefahr weniger im Haus, das ist für uns Fachkräfte sehr wichtig. Für die Kinder ist die schwellenfreie Ausführung der häufig genutzten Terrassentüren einfach super.“ Dieses Zitat ist im Rahmen eines Fachartikel, den ich für die Glaswelt (Ausgabe 7/2014) verfasst habe, entstanden.

Eine Gesundheits- und Krankheitspflegerin und Mutter von einer Tochter mit Behinderung erklärt die schädlichen Auswirkungen von 1 – 2 cm hohen Türschwellen, die in zwei Pflegeimmobilien der Nullschwellen-Petition dringend zurückgebaut werden müssen.

Eine weitere Pflegefachkraft erklärt die negativen Auswirkungen von 1 – 2 cm hohen Türschwellen, die bereits seit 1996 insbesondere im Neubau technisch weder an Haueingängen noch an Terrassen- und Balkontüren sein müssen.

Fehlannahmen „Rollstuhlfahrer“ kämen in der Regel über 2 cm hohe Schwellen bitte stoppen!!!!!!

Es gibt Berufsgruppen, die über viele Jahre lernen, welche Behinderungsarten es gibt und was Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen benötigen. Es gibt Berufsgruppen, die über viele Jahre lernen, welche Krankheitsbilder mit mobilen Einschränkungen es gibt, und was verschieden betroffene Menschen welche speziellen Wohnraumanpassungen benötigen. Ich frage mich bei den zahlreichen widerlegbaren und trotzdem bis heute wiederholenden Fehlannahmen von Technikern, wo der Respekt vor anderen Professionen bleibt. Es gibt zahlreiche Experten in eigener Sache, die über viele, viele Jahre beständig erleben, dass sie durch bis zu 2 cm hohe Türschwellen ausgegrenzt, benachteiligt und gefährdet werden. Wo bleibt der Respekt vor diesen Menschen?!

 

 

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