Betreutes Wohnen barrierefrei ja oder nein? Wie sehen dies Bürger!

Seit nunmehr schon fast 10 Jahren hat das Gesetz zum Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung Gesetzeskraft (kurz UN-Behindertenrechtskonvention oder UN-BRK). Ein Ziel dieser UN-BRK lautet unter anderem, dass jeder wohnen können soll, wo, wie und mit wem er oder sie möchte (siehe Artikel 19 der UN-BRK). Konzepte, die dieses Ziel erreichen und trotzdem zu gewinnbringenden Synergie- und Einspareffekten sowie einer Verbesserung der Versorgungsqualität insbesondere auch für ältere Menschen führen, gibt es längst. Doch statt dessen behauptet das Wirtschaftsministerium sowie eine Beschlussempfehlung des Landtags Baden-Württemberg, dass selbst Betreutes Wohnen nicht barrierefrei gebaut werden müsse. Zu diesen erstaunlichen Formulierungen, die im krassen Widerspruch zur UN-BRK stehenden, gibt es erste Rückmeldungen.

Frau M. welche Meinung haben Sie zu dieser politischen Argumentation:

"Unsere Welt ist leider nicht barrierefrei, traurig genug. Vernünftig geplant macht eine Barrierefreiheit auch kostentechnisch keinen großen Unterschied. Aber in diesem Fall sollte der baden-wütembergischer Landtag seine Beschlussempfehlung dringend überarbeiten. Vielleicht würde vor einer Umformulierung ein Gespräch mit dem/ der Behindertenbeauftragten helfen. 
Die Menschen, die in jüngeren Jahren evtl. in eine Wohnung im 3. Stock einziehen, möchten ja vlt. auch im Alter dort wohnen bleiben. Unmöglich, wenn es nicht barrierefrei ist. 
Man muss ja bedenken; ein nicht körperlich eingeschränkter Mensch kann auch sehr gut in einer barrierefreien Wohnung wohnen...umgekehrt geht das leider nicht so einfach. Der Pflegebedarf wird dadurch u.U. höher und damit die Kosten für die Allgemeinheit. Es gibt übrigens inzwischen schon Rechtssprechungen, die eine Einrichtung des betreuten Wohnens sehr wohl an die Heimgesetze anlehnt, beispielsweise bei Kündigungsfristen. Und noch ein wichtiger Aspekt: betreutes Wohnen ist meist schon von vornherein für viele viele Menschen unerschwinglich teuer. Das sollte dringend geändert werden, denn die Alternative heißt dann Pflegeheim, das nochmal teurer ist, im Zweifel aber vom Sozialamt mitfinanziert wird.... also wieder von der Allgemeinheit. Das betreute Wohnen gehört bei der derzeitigen Pflegediskussion dringend aufgewertet und entsprechend unter Aufsicht gestellt."

Frau M. ein herzliches Dankeschön an Sie! Wir brauchen die Stimmen der Bürger, die die vorhandenen Strukturen bereits kennen lernen konnten und konkret sagen können, welche Veränderungen sie sich wünschen!

Zu meinen eingangs erwähnten Wohnkonzepten: Diese könnten schon längst flächendeckend die monatlich zu bezahlende Betreuungspauschale des Betreuten Wohnens (zwischen ca. 100 und 150 Euro) komplett einsparen, bei fachgerechter Umsetzung ohne eine Verschlechterung der Versorgungsqualität - im Gegenteil sogar mit einer Verbesserung! Voraussetzung dafür ist eine fachübergreifende Bereitschaft zu Veränderung. Doch statt dessen sind wir immer noch auf dem Stand, selbst Betreute Senioren-Wohnanlagen, die ausschließlich von älteren Menschen und Menschen mit Behinderung genutzt werden, nicht barrierefrei zu bauen. Die ganzen Bäder und die ganzen Türschwellen werden danach dann wieder von der Pflegeversicherung barrierefrei angepasst?! Warum machen wir selbst die einfachen Dinge nicht besser, wenn wir es doch längst könnten?

 

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